Reiseblog Antarktis Kreuzfahrt

Ich hatte die Möglichkeit einen meiner Träume mit einer Expeditionsreise in die Antarktis in Erfüllung gehen zu lassen. Ich lade Sie ein, mich auf dieser Reise zu begleiten:


Tag 1 - Anreise Ushuaia und Einschiffung

Noch ist es Nacht in Buenos Aires. Dennoch müssen wir aufstehen, um 07:00 Uhr soll unser Sonderflug nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, starten. Den frühen Morgen versüßt uns ein reichhaltiges Frühstück im Hotel Four Seasons bevor es in ca. 15 Minuten zum Flughafen Aeroparque geht. Der Interkontinentalflug, die Zeitumstellung – all dies steckt uns noch etwas in den Knochen. So nutzen viele die Gelegenheit zu einem kurzen Schlaf nachdem unser A320 abgehoben hat. Gut drei Stunden später, beim Anflug auf Ushuaia, gibt die aufgerissene Wolkendecke den Blick frei auf noch mit Schnee bedeckten Berge und den Beagle Kanal. Kurz vor der Landung entdecken wir auch HANSEATIC nature, die bereits am Ende der Pier von Ushuaia liegt.

Wir unternehmen zunächst eine Landschaftsfahrt durch den Nationalpark Tierra del Fuego mit einer schönen Aussicht auf schroffe Berghänge, Hochmoore, Tümpel und ausgedehnte Nothofagus Wälder (Nothofagus = Südbuche). Wir stoppen am Beagle Kanal, am See Roca und besuchen Bahia Lapataia am Ende der „Panamericana“. Dabei spüren wir den kühlen Wind, der uns in dieser rauen Landschaft um die Nase weht. Einzelne, leichte Schauer wechseln mit Sonnenschein. Zum Mittagessen geht es in das Restaurant Chez Manu hoch über der Stadt, welche 1884 gegründet wurde und heute ca. 84.000 Einwohner hat. Vor der Einschiffung gegen 16:30 Uhr haben wir noch Gelegenheit für ein ganz besonderes Erinnerungsfoto vor dem Schriftzug Ushuaia an der Uferpromenade.

Nach einem herzlichen Empfang auf HANSEATIC nature beziehen wir unsere Kabinen. Doch es bleibt nicht viel Zeit, denn um 18:15 Uhr steht schon die obligatorische Sicherheitsübung an, in der wir Verhaltensregeln für den Notfall lernen. Anschließend werden wir gebeten, noch länger im HanseAtrium zu bleiben - unser Kapitän Thilo Natke hat dringende Informationen zum Wetter. Wir werden nicht wie geplant um 19:00 Uhr auslaufen, sondern erst morgen früh um 07:00 Uhr. Der Grund ist, unser Kapitän mag die Farbe Violett nicht, zumindest nicht auf Vorhersagekarten der Wellenhöhe. Dort signalisiert Violett die Kernbereiche von starken Tiefdruckgebieten, in denen Wellenhöhen von deutlich über 10 m auftreten können. Würden wir wie geplant auslaufen, würden wir in der Region der Falklandinseln in den unmittelbaren Einflussbereich eines solchen Sturmtiefs geraten. Dies gilt es zu vermeiden. Expeditionskreuzfahrten verlangen äußerste Flexibilität und tagesaktuelle Entscheidungen – dies lernen wir nun schon am ersten Tag.

Tag 2 - Beagle Kanal / Auf See

Nun gibt es kein Zurück mehr. Kurz nach 7 Uhr löst sich HANSEATIC nature von der Pier in Ushuaia und bricht zu ihrer ersten Expedition in die Antarktis auf. Etliche von uns hat es auf die Außendecks gezogen, um diesen Augenblick mit zu erleben. Bei nahezu spiegelglattem Wasser fahren wir auf den Beagle Kanal hinaus. Die Sonnenstrahlen kämpfen sich immer wieder durch die Wolkendecke und tauchen die Landschaft in ein Meer von Blau-, Grün- und Grautönen.

Um 11 Uhr gibt uns unsere Expeditionsdirektorin Nadine Armbrust im Rahmen einer obligatorischen Einweisung Hinweise zum sicheren Verhalten bei Zodiac-Operationen. Expedition Guide Florian Kudoke spielt Modell und zeigt uns wie die Zodiac-Weste sowie ggf. ein Rucksack korrekt angelegt werden. Gleich im Anschluss stellt sich das gesamte Expeditionsteam unserer Reise vor.

Im Lauf der Nachmittagsstunden verschlechtert sich das Wetter. Es regnet leicht, die Wolken hängen tief und das Land an Backbord ist teilweise nur noch schemenhaft zu sehen. Ungewöhnliche Tierbeobachtungen sind jedoch jederzeit möglich – so macht uns heute zum ersten Mal Sylvia Stevens per Durchsage auf eine Ansammlung zahlreicher Vögel wie Magellanpinguine, Schwarzbrauenalbatrosse, Riesensturmvögel und Südamerikanische Seeschwalben aufmerksam.

Noch fällt die Orientierung auf HANSEATIC nature etwas schwer, deshalb nutzen wir die Zeit, um uns mit diesem neuen Schiff und seinen Räumlichkeiten und Angeboten besser vertraut zu machen. So gibt heute unser Fitness Coach Roland Malanink eine Einweisung in die Fitnessgeräte und unsere Schiffsärztin Dr. Claudia Hain-Heise freut sich auf ein Kennenlernen mit mitreisenden Kolleginnen und Kollegen. Franzisca Henke erwartet uns zur Kreuzfahrtberatung und auch in der Boutique gibt es täglich etwas Neues. Wer die Kaffeezeit kulinarisch genießen möchte, hat dazu in der Observation Lounge mit süßen Verführungen Gelegenheit oder auch an der Pool Bar, heute mit frisch gebackenen Crepés.

Einige zieht es auch schon in die Ocean Academy, das neue Wissenslabor auf HANSEATIC nature. Viele Einzelthemen aus den Bereichen Länder&Menschen, Abenteuer&Expeditionen, Flora&Fauna, Himmel&Erde sowie Meere&Ozeane warten darauf, an der großen Wissenswand interaktiv entdeckt zu werden. Zu Vorträgen unserer Expertinnen und Experten treffen sich fachlich Interessierte immer im HanseAtrium – aber auch im TV können die Präsentationen gemütlich von der Kabine aus verfolgt werden. Zum Auftakt stellt uns heute um 16:45 Uhr Sylvia Stevens „Die Falklandinseln – Großbritanniens einsamer Vorposten“ vor. Einsam? Immerhin werden von den rund 3400 Einwohnern im Jahr 2019 insgesamt 60.000 Touristen erwartet und 70-80% des Weltbestandes der Schwarzbrauenalbatrosse leben in der Region der Falklandinseln.

Um 18:30 Uhr lädt unser Kapitän Thilo Natke zum Willkommens-Cocktail ins HanseAtrium ein. Insgesamt 170 Besatzungsmitglieder aus 13 Nationen werden sich um unser Wohl kümmern - Kapitän Natke stellt uns die Leitung der einzelnen Departments vor. Dann erhalten wir auch Gewissheit, wir werden übermorgen den Hafen von Stanley anlaufen, das Sturmtief zieht wie vorhergesagt nach Osten ab. Glück gehabt! Laut unserem Kapitän gilt aber von nun an eine klare Aufgabenteilung zwischen Passagieren und Besatzung: „Sorgen Sie für gutes Wetter, wir sorgen für den Rest!“.

Tag 3 - Auf See / Kurs Falklandinseln

Heute wachen wir zum ersten Mal auf See an Bord von HANSEATIC nature auf. Je nach Wunsch steckt an der Tür schon die Zeitung. Für Frühaufsteher gibt es bereits ab 06:30 Uhr Kaffee und Gebäck in der Observation Lounge, und wer auf ein ausgiebiges Frühstück nicht verzichten möchte, wird ab 07:00 bzw. 07:30 Uhr im Lido oder HANSEATIC Restaurant bestens umsorgt. Aber auch die Bewegung am Morgen kommt nicht zu kurz, ob gemeinsam bei der Reling Gymnastik oder individuell beim Walking auf der Decksrunde (135 m auf Deck 9 – einfache Strecke!).

Punkt 09:00 Uhr – wie an allen anderen folgenden Seetagen meldet sich unser Kapitän um diese Uhrzeit von der Brücke mit Informationen zu Position, Kurs und Wetter. Heute befinden wir uns auf einer geographischen Breite, die auf der Nordhalbkugel etwa der von Hamburg entspricht. Wir sind mit 10 Knoten unterwegs, sodass wir morgen gegen 8 Uhr den Hafen von Stanley erreichen werden.

Den gesamten Tag über begleitet uns ein Mix aus Wolken, blauem Himmel und recht frischem Wind. Wir haben Glück, kontinuierlich kreisen Seevögel um das Schiff und hinter dem Heck, wie z.B. Riesensturmvögel, Schwarzbrauen-, Königs- und Wanderalbatrosse sowie Kapsturmvögel. Passend dazu lädt unser Experte Martin Gottschling um 10 Uhr zum Vortrag „Seevögel – Ein Leben auf den Meeren der Welt“ ein. An Land kommen diese Tiere nur zum Nisten und Brüten, ansonsten leben und fressen sie auf dem Meer, wobei wir überrascht sind, dass Albatrosse sogar im Flug für kurze Zeit (5-10 Minuten) schlafen können. Gleich um 11:30 Uhr schließt sich ein weiterer Vortrag an – von unserem Experten Sven Vöge unter den Titel „Entdeckung der Welt: Navigation und Kartografie“ gestellt. Er berichtet lebhaft über die Anfänge der Seefahrt, die Entwicklung der Navigation auf hoher See und zeigt einige Beispiele in der Kartografie, wie unbekannte, weiße Flecken auf den Landkarten gefüllt wurden mit Wissen, Fantasie und Vermutungen in Bezug auf unsere Polargebiete. Den Anfang macht die letzte Botschaft einer der größten Wissenschaftler aller Zeiten, Professor Stephen Hawking: „Schaut‘ zu den Sternen und nicht hinab auf eure Füße!“. Immer neugierig zu bleiben, das haben wir in den nächsten Expeditionstagen auch vor!

Am späten Nachmittag, um 16:45 Uhr, beschließt unser Experte Dr. Wolfgang Wenzel das Vortragsprogramm für heute mit viel Wissenswertem über „Wasser, Wind und Wellen“ ... und über die drei Phasen der Seekrankheit!

Die Cocktailzeit im HanseAtrium geht gegen 18:30 Uhr in unser erstes Precap der Reise über. Precap bedeutet Vorschau, und heute stellt uns unser Expeditionsleiter Torsten Prietz die geplanten Optionen für den morgigen Vormittag in Stanley vor. Anschließend ergreift unser Fitness Coach Steve Seidler das Wort und führt uns in das Konzept der Initiative „Walk the cruise“ ein. Wenn jede Person auf dem Schiff jeden Tag 16 Decksrunden laufen würde, dann würde die gesamte abgelaufene Strecke etwa der Gesamtstrecke unserer Kreuzfahrt entsprechen, nämlich ca. 6.500 km. Packen wir es an!

Antarktis Kreuzfahrt: Expedition Falklandinseln - Südgeorgien - Antarktis
Übersichtskarte Antarktis Kreuzfahrt: Expedition Falklandinseln - Südgeorgien - Antarktis

Tag 4 - Stanley

Land in Sicht! Ziel des heutigen Vormittags ist nun Stanley, die Hauptstadt der Falklandinseln. Gegen 07:45 Uhr nähern wir uns der engen Passage zum „inneren Hafen“ Stanley Harbour. Diese Engstelle zwischen Navy Point im Westen und Engineer Point im Osten ist gerade einmal 260 m breit. Höchste Konzentration auf der Brücke – geschafft! Nachdem der Anker gefallen ist, werden unsere beiden Tenderboote für den Shuttleservice zur Public Jetty zu Wasser gelassen. An der Jetty begrüßt uns unser Expeditionsteam mit Informationsmaterial zum Ort und zu angebotenen Aktivitäten. Dann geht es für viele erst einmal entlang der Ross Road, wobei wir darauf achten müssen, dass die Autos immer von der falschen Seite kommen – es herrscht Linksverkehr!

Wir sehen die Jubilee Villas von 1887, die Christ Church Cathedral von 1892 (die südlichste anglikanische Kirche der Welt), davor den Whalebone Arch (1933 aus den Unterkiefern zweier Blauwale zusammengesetzt), die 1899 erbaute katholische St. Mary’s Church, das Philatelic Bureau in der Post, das Historic Dockyard Museum, das 1982 War Memorial, das Government House und schließlich die beiden Denkmäler für die Seeschlachten zwischen Briten und Deutschen von 1914.

Es ist sonnig und warm, so dass mancher auf dem Rückweg durch die ruhigen Straßen oberhalb der Ross Road schlendert.

Aber auch abseits der Straßen gibt es vieles zu entdecken. So begeben sich besonders ornithologisch Interessierte auf eine Vogel-Wanderung entlang der Küstenlinie mit unserem Biologen Martin Gottschling und werden fündig: Blutschnabelmöwe, Falkland- Dampfschiffente, Kelpgans, Magellangans, Magellan-Austernfischer, Falklanddrossel und noch einiges mehr ist zu beobachten. Viele nutzen auch die Gelegenheit, nach Gypsy Cove, einem kleinen Naturreservat außerhalb von Stanley zu fahren. Die Landschaft dort ist geprägt von Sandstränden, felsigen Abschnitten und Tussockgrasbeständen sowie Bergheiden mit Rippenfarn und Roter Krähenbeere („Diddle-dee“). – Und wir haben Glück, wir können Magellanpinguine am Strand sowie direkt bei ihren Bruthöhlen beobachten. Kurz nach 13 Uhr Uhr verlässt das letzte Tenderboot die Jetty. Vor uns liegt nun eine Distanz von knapp 800 sm bis Südgeorgien.

Am Nachmittag gibt es in der Ocean Academy frisch gesammeltes Anschauungsmaterial zu betrachten – Algen werden unter dem Mikroskop präsentiert. Wer Lust auf einen weiteren Vortrag hat, bekommt um 16:45 Uhr von unserer Expertin Dr. Gerit Birnbaum einen Einblick in die Rolle der Antarktis im Klimasystem unserer Erde. Von großer Bedeutung ist dabei die Produktion von kalten, salzhaltigen Wassermassen in der Antarktis, die durch ihr Absinken einen wichtigen Motor der globalen Ozeanzirkulation darstellen.

Zur Cocktailstunde um 18:30 Uhr begrüßen heute unser Kapitän und unsere Expeditionsdirektorin im HanseAtrium alle Gäste, die das erste Mal mit Hapag-Lloyd Cruises unterwegs sind zum Erstfahrer-Aperitif. – Seien sie sich sicher, wir sind immer für eine Überraschung gut! ... Und vielleicht bekommen sie ja mehr Lust auf Meer-Reisen mit uns.

Tag 5 - Auf See / Kurs Südgeorgien

Da wir Richtung Osten fahren, werden heute Nacht die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Die tägliche Durchsage unseres Kapitäns um 09:00 Uhr bringt Klarheit über unsere genaue, aktuelle Position. Wir sind nun mit 15 Knoten unterwegs, haben seit Stanley ca. 1/3 der Strecke nach Südgeorgien zurückgelegt und befinden uns bereits in der Scotia See. Der Wind weht mit einer Stärke von 4-5 Bft und die Wellenhöhe beträgt 3 m. Wir haben also wieder Glück – HANSEATIC nature stampft und rollt nur schwach.

„Südgeorgien – Das Kronjuwel“, um 11:00 Uhr bereitet uns Sylvia Stevens im HanseAtrium auf unseren bevorstehenden Besuch „auf dem schönsten Fleckchen Erde“ vor. Sie führt uns durch die Geschichte dieser abgelegenen britischen Inselgruppe, die insbesondere für den Walfang im Südatlantik von enormer Bedeutung war. Sie schwärmt über die vielfältige Tierwelt und verrät uns auch, dass der Südliche Seeelefant ihr Lieblingstier ist.

Nach dem Mittagessen genießen einige das sonnige Wetter in eine Decke gehüllt auf dem Pool Deck, andere lesen oder lassen einfach mal auf der Kabine die Seele baumeln. Viele zieht es dann jedoch um 15:15 Uhr wieder ins HanseAtrium zu einem weiteren Vortrag von Martin Gottschling – „Albatrosse – Bedrohte Traumvögel über den Wellen“. Um 17:00 Uhr schließt sich der dritte Vortrag des T ages an. Sven Vöge führt uns durch die Entdeckungsgeschichte der Insel Südgeorgien, welche nach George dem Dritten, der „durch die Gnade Gottes als Verteidiger des Glaubens“ (by the Grace of God, Defender of the Faith) König von Großbritannien und sogar von Frankreich und Irland wurde, benannt wurde. Im 20. Jahrhundert produzierten sieben Walfangstationen eine Zeit lang bis zu 70% des weltweiten Walöles.

Um 18:30 Uhr versammeln wir uns zum ersten Mal für ein Recap. In dieser Veranstaltung schauen wir mit unseren Experten zurück – heute auf unseren Besuch der Falklandinseln. Wir rekapitulieren noch einmal Gesehenes und bekommen zusätzliche, vertiefende Informationen.

Um 21:30 Uhr wird es noch einmal hochkarätig auf der Bühne des HanseAtriums. Kapitän Thilo Natke, Hoteldirektorin Tiziana La Rocca und Expeditionsleiter Torsten Prietz stellen sich im HANSEATIC nature Talk den Fragen von Expeditionsdirektorin Nadine Armbrust. Mit ihnen schauen wir hinter die Kulissen der Organisation einer Expeditionskreuzfahrt. Alle Reisen in die Antarktis müssen vom Umweltbundesamt vorab genehmigt werden. Als Treibstoff verwenden wir Marine Gasöl und unser Trinkwasser wird im Verfahren der Umkehrosmose aus Meerwasser hergestellt. Bestellungen, die per Container eintreffen, brauchen 2 bis 3 Monate Vorlauf; frisches Obst aber auch die beiden Weihnachtsbäume für die nächste Reise werden jedoch in Stanley gekauft. Der Kapitän freut sich, dass er die Route noch selbst mitgestalten kann, bei Walen oder Eisbergen auch einfach mal stoppen kann – und hat dafür bei Indienststellung des Schiffes extra noch ein fehlendes Steuerrad nachrüsten lassen.

Tag 6 - Auf See / Kurs Südgeorgien

Schon gegen 05:30 Uhr sind am Horizont deutlich die Shag Rocks zu erkennen. Durch ein Loch in der Wolkendecke fallen Sonnenstrahlen auf diese 130 sm nordwestlich von Südgeorgien gelegene Gruppe aus sechs kleinen Felseninseln. Sie ist geteilt in zwei Dreiergruppen, die 200 m voneinander entfernt sind. Der höchste Felsen ist 71 m hoch. Bei der Annäherung an die Felsen ändern sich die Lichtverhältnisse quasi von Minute zu Minute. Es weht ein kräftiger Wind mit Stärke 6 und die Wellen brechen an den Felsen und die Gischt spritzt mehrere Meter hoch. Dennoch kommen viele zum ersten Mal auf den w wie wunderbaren nature walk am Bug des Schiffes, um der Szenerie und den kreisenden Vögeln ganz nah zu sein. Der Name Shag Rocks bezieht sich auf die Kormorane, die auf den Felsen brüten. Die Felsen sind mit Guano bedeckt. Ihre Färbung ist deshalb hellbraun, obwohl sie aus von Quarzgängen durchzogenem Grünschiefer bestehen. Neben den zahlreichen Südgeorgien Scharben (Kormorane) können wir auch Graukopfalbatrosse und Schneesturmvögel beobachten. Die Shag Rocks waren einst, genau wie Südgeorgien, Teil von Südamerika.

Laut Durchsage des Kapitäns um 9 Uhr beträgt die Lufttemperatur nur noch 2°C und die Wassertemperatur 1,5°C. Damit haben wir in der vergangenen Nacht die Antarktische Konvergenz passiert und befinden uns nun zumindest aus ökologischer Sicht bereits in der Antarktis.

Da Südgeorgien und die Antarktis ein besonders schützenswerter Naturraum sind, haben sich Reiseveranstalter, die in der International Association of Antarctica Tour Operators (IAATO) organisiert sind, bestimmte Verhaltensregeln bei Landgängen auferlegt. Diese werden uns um 10:15 Uhr in einer obligatorischen Veranstaltung von unserem Expeditionsleiter erläutert. Insbesondere in Südgeorgien ist es wichtig, keine nicht einheimischen Pflanzen einzuschleppen. Deshalb geht es auch anschließend im HanseAtrium zur Kontrolle der Kleidung und Ausrüstung, die wir in Südgeorgien gern mit an Land nehmen wollen – die „South Georgia Biosecurity Inspection“ steht auf dem Programm. Rucksäcke, Jackentaschen und Klettverschlüsse werden aus- und abgesaugt, damit nicht aus Versehen irgendwelche Samen nach Südgeorgien gelangen.

Betrachten sie das ausgedruckte Tagesprogramm als unverbindliche Richtlinie! – Diese Bitte des Kapitäns während des Willkommens-Cocktails dringt nun wieder in unser Bewusstsein, angesichts des überall ausgehängten, geänderten Tagesprogrammes. Wir sind zügig vorangekommen, so dass sich in den frühen Abendstunden noch die Gelegenheit für ein Schiffscruising in einer äußerst geschichtsträchtigen Bucht im Nordwesten Südgeorgiens bieten wird. Warum die King Haakon Bay so bekannt geworden ist, erfahren wir von Sylvia Stevens in dem auf 15:00 Uhr vorgezogenen Vortrag „Die erstaunliche Reise von Sir Ernest Shackleton“. Jeder im HanseAtrium verfolgt gespannt die unglaublichen Drehungen und Wendungen der Imperial Trans-Antarctic Expedition 1914-1916, besser bekannt als Endurance-Expedition, unter der Leitung von Sir Ernest Shackleton. Das Ziel war die erste Durchquerung des antarktischen Kontinentes. Doch dazu kam es nicht. Sein Schiff, die ENDURANCE, wurde im Januar 1915 im Packeis des Weddell Meeres eingeschlossen. Nach neun Monaten Drift musste die Mannschaft das Schiff verlassen, konnte aber noch Lebensmittel, Ausrüstungsgegenstände und Rettungsboote bergen, bevor das Schiff von den Eismassen endgültig zerdrückt wurde und sank. Das Camp der 28 Männer driftete mit dem Eis weiter nach Norden in Richtung des offenen Meeres. So konnten am 09. April 1916 die drei offenen Boote zu Wasser gelassen werden, und nach sieben Tagen landeten die Männer auf Elephant Island an. Dort bestand jedoch keine Aussicht auf Rettung, so dass sich Shackleton am 24. April 1916 mit fünf Männern in der JAMES CAIRD auf den Weg nach Südgeorgien machte, um dort Hilfe zu holen. Nach 16 Segeltagen erreichten sie die Westseite der Insel. In einer letzten Anstrengung überquerten sie die schneebedeckten Berge und Gletscher Südgeorgiens und erreichten nach einem zweitägigen Fußmarsch die Walfangstation Stromness an der Ostseite der Insel. Von dort organisierte Shackleton die Rettung seiner auf Elephant Island zurückgelassenen Männer. Mit dem chilenischen Trawler Yelcho gelang es schließlich durch den winterlichen Meereisgürtel zur Mannschaft vorzudringen. 128 Tage nachdem Shackleton aufgebrochen war, um Hilfe zu holen, konnte er seine Mannschaft im August 1916 von Elephant Island retten. Er hatte keinen einzigen Mann verloren.

Um 16:45 Uhr ist das HanseAtrium dann bis auf den letzten Platz gefüllt – unsere Vorfreude auf Südgeorgien ist groß. Im Rahmen eines Precaps stellt unser Expeditionsleiter die in den nächsten zwei Tagen geplanten Anlandungen und Aktivitäten auf der Insel vor – inclusive frühzeitigem Aufstehen!

Wer danach an Backbord aus dem Fenster schaut, erblickt die nun schon recht nahe Küstenlinie Südgeorgiens. Der mittlere und obere Bereich der Berghänge ist mit Neuschnee überzuckert, die Wolken hängen tief. Dennoch sehen wir mehrere Gletscher, die zum Teil direkt ins Meer kalben. Die King Haakon Bay war der Ort, an dem Sir Ernest Shackleton mit der JAMES CAIRD in Südgeorgien an Land ging. Nach 800 sm auf offener See erreichten die sechs Männer zunächst Cave Cove am südlichen Eingang der King Haakon Bay. Einige Tage später fuhren sie weit ins Innere der Bucht. Dort bauten sie ein Camp auf, in dem sie die JAMES CAIRD umdrehten und praktisch eine kleine Schutzhütte daraus machten. Von dort aus begannen Ernest Shackleton, Frank Worsley und Tom Crean ihren Marsch über die Berge Südgeorgiens zur Walfangstation Stromness. Während der Einfahrt in die Bucht ist wieder der nature walk geöffnet und trotz der einsetzenden, leichten Schneeschauer kommen viele auf diesen Rundlauf im Bugbereich. Auf der Höhe von Peggotty Bluff, dem Ort des ehemaligen Camps, dreht das Schiff und fährt kurz nach 19 Uhr wieder in Richtung See. 92 sm liegen vor uns, bis wir Fortuna Bay in den Morgenstunden des folgenden Tages erreichen werden.

Wer Lust hat, lässt den Tag mit Musik ausklingen, unser Pianist Helge Herr spielt in der Observation Lounge.

Tag 7 - Fortuna Bay / Stromness / Grytviken

Als wir am frühen Morgen in die Fortuna Bay einfahren könnte das Wetter nicht besser sein – blauer Himmel, Sonnenschein, kaum Wolken. So erscheinen die Wanderer für den Shackleton Walk pünktlich ab 06:30 Uhr am Sidegate. Heute muss alles effizient und schnell ablaufen, schließlich soll HANSEATIC nature Fortuna Bay nach der Ausbootung sofort wieder verlassen, um Kurs auf Stromness zu nehmen. Aber nicht nur die Wanderer sind früh aufgestanden. Etliche von uns tummeln sich auf den Außendecks, beobachten die Zodiac-Operation und genießen den Blick auf die grandiose alpine Landschaft. An den Stränden liegen unzählige Pelzrobben und einige Seeelefanten. An der Nordseite des inneren Teils der Bucht machen wir eine größere Kolonie von Königspinguinen aus.

Wer sich für einen gemütlichen Tagesauftakt entschieden hat genießt beim Frühstück den herrlichen Blick auf den großen König Gletscher am Ende der Bucht. Sehr schön sind auch die einzelnen Vegetationszonen an den Berghängen zu erkennen. Im unmittelbar oberhalb des Strandes beheimateten Tussockgrasgürtel formiert sich an der Anlandestelle nun langsam eine geschwungene Kette aus blauen, roten und einzelnen orangenen Elementen – unsere Wanderer nehmen die ersten der insgesamt knapp 250 Höhenmeter. Der ca. 6 km lange Weg wird sie hinauf zum Crean Lake führen und schließlich auf einen Pass, von dem sich ein weiter Blick über die Stromness Bay ergibt.

Gegen 07:30 Uhr setzt HANSEATIC nature ihren Weg entlang der Küste Südgeorgiens fort, aber es ist praktisch nur ein Katzensprung bis wir in die Stromness Bay einbiegen. Wir haben noch ein wenig Zeit und so macht unser Kapitän einen Abstecher nach Leith Harbour, einer kleinen Bucht an der Steuerbordseite. An ihrem Ende liegt in einem fantastischen Bergpanorama die gleichnamige ehemalige Walfangstation Leith. Dank ruhiger See können wir ganz dicht an die verfallenden Häuser und Industrieanlagen heranfahren - Sylvia Stevens kommentiert. Der Name geht auf den Firmensitz des im schottischen Leith ansässigen Walfangunternehmens Christian Salvesen & Co. Ltd. zurück. Die Station wurde von kurzen Unterbrechungen abgesehen von 1909 bis 1965 betrieben, in der Endphase von Japanern. Insgesamt gab es in der Stromness Bay drei Walfangstationen – Leith, Stromness und Husvik. Wie Leith werden wir bei der bevorstehenden Anlandung auch die Walfangstation Stromness nicht direkt betreten können. Eine Sperrzone von 200 m ist deutlich ausgeschildert. Mit Ausnahme von Grytviken sind heute alle ehemaligen Stationen auf diese Weise für Besucher gesperrt. Es besteht Einsturzgefahr der Gebäude und auch Gefahr durch Asbestreste.

 

Die Walfanggeschichte in Stromness begann 1907 als das norwegische Unternehmen Sandefjord Hvalfangerselskab die Verarbeitung von Walen an Bord des Fabrikschiffs FRIDTJOF NANSEN II aufnahm, welches 1.5 km entfernt von der Station in Stromness Harbour verankert war. Doch an Bord solcher schwimmenden Fabriken konnte nicht der gesamte Wal verarbeitet werden, so dass bestimmte Teile praktisch ungenutzt blieben. Die Situation änderte sich 1912 als neue Bestimmungen die Verarbeitung aller Teile eines Wals zur Pflicht erhoben, was nur an Landstationen möglich war. Der Erfolg der Landstationen dauerte bis in die 1930er Jahre an, als die Walbestände und die Weltmarktpreise für Walprodukte durch die schonungslose Ausbeutung der Ressourcen kollabierten. Die Auswirkung auf Stromness war enorm. In der Saison 1931-32 wurde die Verarbeitung von Walen eingestellt und die Station wurde weiterverpachtet als Schiffsreparaturwerft an das Unternehmen Christian Salvesen & Co. Ltd., welches die Nachbarstation Leith besaß.

Als wir den Ankerplatz vor Stromness erreichen, können wir in der Ferne schon die Wandergruppe erkennen. Alle anderen können heute selbst bestimmen wie weit sie laufen. Wer nicht genug von den Pelzrobben, Seeelefanten und Königspinguinen bekommen kann, bleibt in der Nähe des Strandes. Etliche machen sich jedoch auf in Richtung des kleinen Wasserfalls. Bald strömen blaue Parkas in beide Richtungen durchs Tal. Unsere Wanderer nehmen glücklich aber auch ein wenig geschafft die allerletzte Etappe des Shackleton Walks.

Bleibt nur noch die Frage zu klären, wie die Wanderungen auf die Decksrunden an Bord angerechnet werden.

Über die Mittagszeit fährt HANSEATIC nature von der Stromness Bay in die Nachbarbucht, die große Cumberland Bay. Diese teilt sich in die Cumberland West und die Cumberland East Bay, wo unser Ziel für den Nachmittag liegt – Grytviken mit dem britischen Verwaltungsstützpunkt King Edward Point. Nach der Ankunft muss unser Schiff zunächst einklariert werden. Während der Wartezeit bekommen wir vom SGHT (South Georgia Heritage Trust) Informationen zum Landgang und über das erfolgreich abgeschlossene Programm zur Ausrottung der Ratten auf Südgeorgien. Diese sind in der Robben- und Walfängerzeit auf die Insel gelangt, und da sie Schäden an der Vogelwelt anrichten, ist man ihnen mit per Hubschrauber und zu Fuß ausgebrachten Giftködern zu Leibe gerückt.

In Grytviken ist auch Paula, Government Officer, an Bord gekommen. Da HANSEATIC nature zum allerersten Mal in Südgeorgien und der Antarktis unterwegs ist, wird sie einen vollen Tag an Bord bleiben, um zu begutachten, wie auf dem Schiff die Auflagen bzgl. Umweltschutz und Verhalten bei Anlandungen in Südgeorgien umgesetzt werden. Gleich als erstes, bevor wir an Land gehen, erfolgt die sog. „Bio-Security“ Kontrolle, bei der unsere Kleidung und Gummistiefel auf organisches Material kontrolliert werden. Ganz „sauber“ sind wir nicht, aber mit 92 von 100 möglichen Punkten schneiden wir gut bis sehr gut ab.

Dann geht es aber endlich in die Zodiacs und hinüber zur ehemaligen Walfangstation. Der Weg ist kurz, denn unser Kapitän hat HANSEATIC nature bis in die innere „Topfbucht“ manövriert, wie Grytviken wörtlich übersetzt bedeutet. Viele schauen zunächst in das kleine Museum oder beim Postamt vorbei. Einige entscheiden sich auch für eine kleine Wanderung, die hinter der Kirche beginnend dem Weg nach Maiviken folgt und herrliche Ausblicke auf die Bucht sowie auf die umliegenden Berge bietet. Sarah, die Direktorin des Museums, bietet eine Führung durch das Gelände der ehemaligen Walfangstation an. Diese wurde vom norwegischen Kapitän und Antarktisfahrer Carl Anton Larsen gegründet. Er befand das Gebiet 1902 als Kapitän des Schiffes ANTARCTIC während der schwedischen Nordenskjöld- Expedition als ideal für die Anlage einer Walfangstation. 1904 kehrte er zurück und gründete die Station Grytviken, die von Anfang an ein wirtschaftlicher Erfolg war. Obwohl im ersten Jahr nur ein Fangschiff eingesetzt worden war, wurden bereits fast 200 Wale gefangen. In der Anfangszeit kamen die meisten Arbeiter aus Norwegen. In späteren Jahren hat man sie auch in Großbritannien, Südamerika und auf den Falklandinseln angeworben. Die Saison erstreckte sich über den Südsommer von Oktober bis März. In dieser Zeit haben in Grytviken etwa 300 Menschen gearbeitet, untergebracht in großen Wohnbaracken. Carl Anton Larsen hat die Insel 1914 als reicher Mann verlassen. Endgültig eingestellt wurde die Walverarbeitung in Grytviken jedoch erst Jahrzehnte später. Insgesamt sind in Grytviken von 1904 bis 1964 rund 54.000 Wale verarbeitet worden, auf allen Stationen Südgeorgiens zusammen rund 175.000.

Um 17:30 Uhr findet auf dem Friedhof eine kleine Zeremonie am Grab von Sir Ernest Shackleton statt, bei der Kapitän Thilo Natke sein Lebenswerk und natürlich insbesondere den Kampf um seine Männer der Endurance-Expedition würdigt. Er schließt mit dem bekannt gewordenen Zitat von Sir Raymond Edward Priestley:

"For scientific discovery, give me Scott;

for speed and efficiency of travel, give me Amundsen;

but when you are in a hopeless situation, when you are seeing no way out,

get down on your knees and pray for Shackleton."

Auch nach der Zeremonie bleibt noch etwas Zeit für eigene Erkundungen bevor um 19 Uhr alle zurück an Bord sind. Wir verlassen die innere Bucht, fahren aber nicht auf die offene See hinaus, sondern verbringen die nächsten Stunden in der Cumberland East Bay.

Tag 8 - St. Andrews Bay / Hercules Bay

„Sorgen Sie für gutes Wetter – wir sorgen für den Rest!“ Da wir heute die größte Königspinguin- Kolonie Südgeorgiens besuchen wollen, nehmen wir unseren Auftrag vom Kapitän sehr ernst. Bei der Annäherung an St. Andrews Bay in den frühen Morgenstunden, gegen 6 Uhr, zaubern wir Sonnenschein und ein Wolkenbild an den Himmel, wie es schöner nicht sein kann. Bei der Überströmung der Bergkette Südgeorgiens kommt es zur Bildung sog. Leewellen und zur Bildung von Lenticularis-Wolken. Noch vor dem Frühstück beginnt die Ausbootung der Gruppen Blau&Rot. Die Landestelle befindet sich in einiger Entfernung von der Hauptkolonie. Dennoch sind wir gleich am Strand schon völlig fasziniert durch die Begrüßung der zahlreichen Königspinguine und Pelzrobben. Besonders angetan haben es uns aber die kleinen Seeelefanten mit ihren großen Augen und die tonnenschweren ausgewachsenen Männchen.

St. Andrews Bay liegt am Fuß mehrerer Gletscher, deren Schmelzwasser durch Flüsse ins Meer abfließt. Einen dieser Flüsse müssen wir durchqueren, um auf die Hügel zu gelangen, die einen traumhaften Blick auf die Kolonie mit 160.000 Brutpaaren bieten. Mit Hilfe unserer Experten und dem Field Staff gelingt es den meisten, den Fluss zu queren. Was für ein Anblick – spektakulär! Damit hatte keiner gerechnet. Pinguine soweit das Auge reicht und viele dieser kuscheligen, jungen „Kaffeewärmer“. Ältere Pinguine, die gerade in der Mauser sind, stehen am Fluss, um sich dort abzukühlen und Wasser zu trinken.

Mit fortschreitender Zeit nimmt der Wind immer mehr zu und wird böig. All dies macht eine sichere Operation der Zodiacs am Schiff nicht mehr möglich. Deshalb ertönt um 08:54 Uhr das Schiffstyphon – Abbruch der Anlandung. Bei Gelb&Grün, die noch auf ihre Ausbootung warten, herrscht nun höchste Anspannung und Betriebsamkeit - sie müssen den Wind in den Griff bekommen! Wenn dieser sich wieder abschwächt, sorgen Kapitän und Zodiac-Team für den Rest ... und bringen auch sie sicher an Land. Tatsächlich, auch Gelb&Grün können für gutes Wetter sorgen und so wird der Zodiac-Shuttlebetrieb wiederaufgenommen. Es ist inzwischen 09:52 Uhr. Gegen 12:30 Uhr sind schließlich alle zurück an Bord und HANSEATIC nature nimmt Kurs auf die Hercules Bay. Dies bedeutet, dass wir ein Stück zurück nach Norden fahren, die Insel liegt nun an unserer Backbordseite. Das Wolkenbild ist weiterhin durch die Lenticularis-Wolken geprägt, wobei sich der Himmel jedoch zunehmend bezieht. Kurz nach 15 Uhr erreichen wir die Hercules Bay. Hier unternehmen wir eine Zodiac-Cruise entlang der Küstenlinie dieser kleinen Bucht, wobei unsere kleinen Schlauchboote die massiven Kelpwälder vorsichtig umfahren müssen. Südgeorgien Scharben, Weißgesicht Scheidenschnabel und sogar Rußalbatrosse; Pelzrobben und Seeelefanten; Königspinguine und Eselspinguine – all das können wir mit bloßem Auge oder durch das Fernglas beobachten. Aber natürliche wollen wir vor allem eines sehen, die Goldschopfpinguine. Auf den Felsen über der Wasserlinie bis hoch oben im Tussockgras können wir sie entdecken.

Zurück an Bord treffen sich heute alle Mitglieder des Hapag-Lloyd Cruises Clubs zur Cocktail- Zeit im HanseAtrium. HANSEATIC nature ist mittlerweile noch einmal nach Grytviken gefahren, um Paula zu verabschieden. Und die Cumberland Bay verabschiedet sich stilvoll. Während des Abendessens taucht ein Buckelwal auf. Im Lido Restaurant lassen viele sofort das Besteck liegen und stürmen auf das Außendeck hinter dem Restaurant.

Um 21:30 Uhr gibt es heute im HanseAtrium noch einen Leckerbissen. SOUTH – Ein Stumm- Film von Frank Hurley, das Original-Filmdokument der Endurance Expedition unter Sir Ernest Shackleton.

Südgeorgien Anlandungen & Route
Südgeorgien Anlandungen & Route

Tag 9 - Auf See / Kurs Antarctic Sound

Nachdem wir in dieser Nacht die Südspitze Südgeorgiens umrundet haben führt uns unser Kurs nun Richtung Südwesten mit dem Ziel Antarctic Sound an der Spitze der Antarktischen Halbinsel. Damit wird es Zeit, die Uhren wieder um eine Stunde zurück zu stellen.

Zur täglichen Durchsage des Kapitäns um 9 Uhr befinden wir uns also wieder mitten in der Scotia See, heute mit einer beachtlichen Wassertiefe von 2500 m unter dem Kiel. Seit Grytviken haben wir 170 sm zurückgelegt und 700 sm liegen noch bis zur Halbinsel vor uns. Die Wellenhöhe beträgt nur ca. 1,5 m, was die Überfahrt für uns natürlich sehr angenehm macht. Andererseits ist es bedeckt, und die Lufttemperatur mit 2°C und die Wassertemperatur mit 1°C weisen kaum einen Unterschied auf. Dies führt dazu, dass im Laufe des Tages die Sicht immer mal wieder durch Nebel deutlich eingeschränkt ist.

Da bietet es sich an, das volle Vortragsprogramm des Tages zu nutzen. Um 10 Uhr berichtet Martin Gottschling im HanseAtrium über „Das Leben der Pinguine“. Er gibt einen Überblick über die Arten der gesamten Südhalbkugel und ihre regionale Verbreitung. Für die antarktischen Arten schauen wir uns die Brutbiologie etwas näher an. Letztlich bekommen wir viele Tipps, was wir bei den Landgängen selber beobachten können – Paarung, Besetzen der Brutplätze, Nestbau und auch die Verteidigung der Brutplätze gegenüber anderen Pinguinen. Um 11:30 Uhr übernimmt Sven Vöge das HanseAtrium - „Entdeckung und Erforschung der Antarktischen Halbinsel“ ist auf den drei großen Projektionswänden zu lesen. Vor genau 200 Jahren wurde zum ersten Mal der antarktische Kontinent betreten (Fabian von Bellingshausen & Mikhail Lazarev). Ein knappes Jahrhundert später der Südpol, der letzte unbekannte Flecken auf Erden (Roald Amundsen, Robert Falcon Scott). Unser Experte erzählt die Geschichte von dem allerersten kleinen Schritt eines Entdeckers (erste Weltumsegelung Magellan/Elcano vor exakt 500 Jahren!) bis hin zur Entdeckung und Erforschung der Antarktischen Halbinsel: Sir Francis Drake, James Clark Ross, Adrien de Gerlache, Jean-Baptiste Charcot, der britischen Operation Tabarin und Richard E. Byrd.

Wer besonders technisch interessiert ist, hat heute die Gelegenheit an einer Führung durch den Maschinenraum teilzunehmen. Viele verarbeiten aber auch noch das auf Südgeorgien erlebte, sichten ihre Bilder oder ruhen sich einfach nur mal aus.

Um 16:45 Uhr ist Zeit für einen weiteren Vortrag. Gerit Birnbaum nimmt uns gedanklich mit in den tiefen Süden und berichtet über „Die Innere Antarktis – Fakten, Forschung und Logistik“. Hier erhalten wir insbesondere Einblick in Eiskerntiefbohrungsprojekte auf dem Antarktischen Eisschild. Aus dem Eis und den darin eingeschlossenen Luftblasen konnte die Klimageschichte der Erde bis zu 800.000 Jahre vor unserer Zeit rekonstruiert werden. Dabei sind Eisbohrkerne das einzige Klimaarchiv, in dem die Konzentration von Treibhausgasen wie Kohlendioxid und Methan direkt gemessen werden kann.

Um 18:30 Uhr heißt es wieder „Wissen vor Sieben“. Wir blicken zusammen mit unserem Expertenteam zurück auf unsere beiden wundervollen Tage auf Südgeorgien. Vom Brutzyklus der Königspinguine, über die Gräber in Grytviken bis hin zu den linsenförmigen Wolken im Lee von Südgeorgien - diesen und weiteren offenen Fragen versucht sich unser Expertenteam zu stellen.

Nach dem Abendessen begrüßt unsere Expeditionsdirektorin Nadine Armbrust im HanseAtrium unsere beiden Expertinnen Sylvia Stevens und Gerit Birnbaum zum zweiten HANSEATIC nature TALK. Sylvia entdeckte ihre Liebe zur Antarktis 1989, als sie 3 1⁄2 Monate mit einem Segelboot in diesen rauen Breiten unterwegs war. Für Hanseatic Tours und später Hapag-Lloyd Cruises ist sie seit 1994 unermütlich als Expertin in polaren Fahrtgebieten im Einsatz. In Zahlen ausgedrückt heißt dies – 130 Reisen in die Antarktis, 14 Nordwestpassagen und 2 Nordostpassagen. Ihr absolutes Lieblingsfahrtgebiet wird aber immer eine Insel bleiben, die auch wir nun schon kennenlernen durften – Südgeorgien. Man merkt ihr an, dass sie sehr, sehr dankbar dafür ist, was sie in den letzten 30 Jahren erleben durfte – und diese Begeisterung gibt sie an uns als Gäste hundertfach zurück. Gerit Birnbaum kam über die Wissenschaft zur Expeditionskreuzfahrt. Nach ihrem Studium der Meteorologie unterlag sie sehr schnell der Faszination des Eises, wobei sie zunächst theoretisch und später auf zahlreichen wissenschaftlichen Expeditionen Prozesse im Klimasystem besser verstehen wollte. Brandaktuell berichtet sie von der derzeit stattfindenden größten Arktisexpedition aller Zeiten, MOSAiC, wozu auch sie einen Beitrag in der Vorbereitung leisten durfte.

Tag 10 - Auf See / Kurs Antarctic Sound

Zweiter Seetag auf dem Weg von Südgeorgien zur Antarktischen Halbinsel! Das Sportprogramm am Morgen steht heute unter dem Motto „Sonnengruß“ – aber wir haben wohl diesen dezenten Hinweis unserer Expeditionsdirektorin und Tagesprogrammkoordinatorin Nadine Armbrust nicht ganz richtig verstanden, denn uns ist leider nur wieder ein bedeckter Himmel mit zeitweisem Nebel gelungen. Zur Durchsage unseres Kapitäns um 9 Uhr sind wir gar nicht so weit von Land entfernt. In ca. 70 sm Entfernung von der Backbordseite befinden sich die Südorkney Inseln. Bis zum Antarktischen Festland haben wir noch 360 sm vor uns. ... Und damit wir dort nun absolut „sauber“ an Land gehen, gibt es von 08:30 Uhr bis 10:00 Uhr noch einmal eine obligatorische Bio-Security Inspektion unserer Expeditionskleidung, heute auf Deck 3 bei der Stiefelwaschanlage. Manch einer wundert sich dann auch bei der Prüfung insbesondere der Gummistiefel, was so alles von Südgeorgien mit an Bord gelangt ist. Mit Bürsten, Wasserstrahl und Staubsauger rücken wir aber auch kleinsten Teilen von Gräsern und Samen zu Leibe.

Gleich im Anschluss, um 10:00 Uhr, füllt sich das HanseAtrium bis auf den letzten Platz. Sylvia Stevens vermittelt uns in einer runden Stunde alles Wissenswerte zum Thema „Wale, sanfte Riesen der Weltmeere“. Sylvia macht uns die Unterschiede zwischen Zahn- und Bartenwalen deutlich und wir staunen nur so über charakteristische Zahlen aus dem Leben der größten aller Wale, der Blauwale. Die Geburt erfolgt mit dem Schwanz zuerst, damit das Junge nicht ertrinkt. In der ersten Lebensperiode erfolgt dann eine Gewichtszunahme von 4 kg pro Stunde. Ein ausgewachsener Blauwal muss täglich 4% seines Körpergewichtes an Nahrung aufnehmen, dies sind ca. 4 Tonnen.

Wolfgang Wenzel geht um 11:30 Uhr in seinem Vortrag dann auch gleich darauf ein, wie reichhaltig die Nahrungsquelle Meer hier im südlichen Ozean ist. „Das Leben in den Ozeanen – Eine kleine Auswahl“ so sein Titel. Wir erfahren Details zum Phytoplankton und Zooplankton und lernen, dass der Krill, eine Leuchtgarnele, eine Schlüsselart in polaren Gewässern ist. Bis zu 30.000 Leuchtgarnelen leben in einem Kubikmeter Wasser, und sie sind damit Ernährungsgrundlage für Fische, Wale, Robben und Seevögel. Ein interessantes Detail sind die Augen des Krills. Bei schlechtem Ernährungszustand schrumpft das Tier wieder, nicht jedoch seine Augen.

Natürlich gibt es auch an diesem Seetag neben den Vorträgen ein vielfältiges Leben an Bord. Ob mit einem Buch auf dem Pool Deck oder zum Plausch mit den Expertinnen und Experten in der Ocean Academy – jeder findet seine passende Beschäftigung. Jedoch von nahezu allen unbemerkt überfahren wir genau um 10:47 Uhr den magischen Breitengrad 60°S. Herzlich willkommen, nun auch ganz offiziell, in der Antarktis!

Passend dazu lädt Martin Gottschling am Nachmittag um 16:45 Uhr zum Vortrag „Lebensraum Antarktis – Vielfalt in einer extremen Umwelt“ ein. Im Landlebensraum geht es ganz klein zu. Die größten Vertreter sind dort die Zuckmücke und verschiedene Arten von Springschwänzen. Im Meer findet sich dagegen eine reichhaltige Fauna – angefangen beim Plankton bis hin zum Ende der Nahrungskette, an der Orcas und Seeleoparden stehen. Auch Martin betont nochmals die herausragende Stellung des Krills als Nahrungsgrundlage, wobei dieser selbst an der Unterseite des Meereises die Eisalgen abweidet.

Nun schon zur lieben Gewohnheit geworden – „Wissen vor Sieben“ um 18:30 Uhr im HanseAtrium! Unser Expeditionsleiter Torsten Prietz stellt uns Plan A für die nächsten beiden Tage vor. Aber zunächst sind unsere Biologie Expertinnen und Experten noch einmal dran. Sylvia Stevens referiert ganz ernsthaft über das Sexleben der Seeelephanten, wobei wir auch kurz in die grobe Einteilung der Robben in Ohren- und Hundsrobben eingeführt werden. Wolfgang Wenzel hat sich dagegen das Thema Farben der Pinguine herausgegriffen. Dann übernimmt jedoch Torsten Prietz und stellt uns die Pläne für morgen im Antarctic Sound vor. Abschließend gibt Steve Seidler einen Zwischenstand von „Walk the cruise“. Nur zur Erinnerung, wenn alle an Bord pro Tag 16 Decksrunden zurücklegen, würden wir insgesamt auf 100% der gesamten Reisestrecke von 6270 km kommen. – Bisher haben wir 22,4 % geschafft, was 10411 Runden bedeutet, offiziell von 69 Kabinen beigetragen. – Weiter so, wir sind auf einem guten Weg!!!

Am späteren Abend verwandet sich das HanseAtrium zum zweiten Mal auf dieser Reise in einen Kinosaal. Heute auf dem Programm: „Antarktis – Die Entdeckung des Südpols“ – ein Film über die Expeditionen von Richard E. Byrd in den Jahren 1933-35.

Tag 11 - Antarctic Sound / Brown Bluff

Am frühen Morgen steuern wir auf den nördlichen Eingang des Antarctic Sounds zu. Es ist bedeckt, aber die Sonne scheint ein wenig durch die Wolkendecke hindurch. In der Ferne können wir schon einige kleine Eisberge erkennen. Backbord voraus erkennen wir Inseln, die dem antarktischen Festland vorgelagert sind. Gegen 9 Uhr fahren wir schließlich in den Antarctic Sound ein. Leider haben wir starken Gegenwind, dennoch zieht es viele an Deck. An Steuerbord stehen dicht an die Wand gedrängt die Fotographen auf Deck 9, der nature walk ist gesperrt. Zwei Unentwegte ziehen sogar ihre Decksrunden. Andere ziehen den gemütlichen Panoramablick aus der Observation Lounge vor. An unserer Steuerbordseite, Richtung Festland, sehen wir ein argentinisches Versorgungsschiff, welches offenbar gerade die Station Esperanza versorgt hat, welche schon mit Hilfe unserer Ferngläser auf dem Festland sichtbar ist. Wir weichen etwas vom direkten Kurs nach Brown Bluff ab und fahren näher an die Station heran.

Gegen 13 Uhr erreichen wir Brown Bluff, die „Braune Klippe“. Es handelt sich dabei quasi um einen angeschnittenen Vulkan. Bei Brown Bluff betreten wir zum ersten Mal antarktisches Festland, könnten also nun trockenen Fußes zum Südpol laufen. Der Wind hat abgeflaut, so dass einer Anlandung nichts mehr im Wege steht. Da gerade Niedrigwasser ist, liegen Schollen und kleinere Eisstücke wunderschön unregelmäßig verteilt auf dem relativ breiten Strand. Für die Aktiven stehen an der Landestelle Schneeschuhe bereit, damit geht es in Richtung Gletscher. Der Aufstieg auf einen Hügel bietet aber ebenfalls einen traumhaften Panoramablick auf den Antarctic Sound und die im Wasser treibenden Eisberge. Wer am Strand nach rechts geht, wählt die Pinguinrunde. Zunächst geht es an Brutplätzen von Eselspinguinen vorbei. Da werden fleißig Steinchen für den Nestbau geklaut und ab und zu können wir auch ein Ei erkennen, wenn es gerade im Nest gedreht wird. Schließlich gelangen wir an den Rand einer Kolonie brütender Adeliepinguine. Es sind äußerst elegante Tiere – nur schwarz und weiß.

Um 18 Uhr sind alle zurück an Bord, aber der Tag ist noch lange nicht vorbei. Unser Kapitän steuert HANSEATIC nature nach Südosten zum Eingang des Fridtjof Sounds. Diese enge Passage zwischen dem Festland und den Inseln Jonassen und Andersson Island ist auch heute mit Tafeleisbergen gespickt, die aus dem Weddell Meer hierher getrieben wurden. Später geht es zwischen Andersson Island und Rosamel Island wieder Richtung Norden. Während der Passage des Fridtjof Sounds wird es gesellig auf dem Pool Deck. Beim HANSEATIC nature BBQ-Abendessen lassen wir unseren ersten Tag in der Antarktis mit wärmenden Getränken und Spezialitäten vom Grill ausklingen. In der Nacht überqueren wir die Bransfield Strait.

Tag 12 - Half Moon Island / Deception Island

Am frühen Morgen erreichen wir die McFarlane Strait zwischen Greenwich Island und der großen Insel Livingston Island. An deren Nordostseite liegt Moon Bay und darin das kleine Half Moon Island. Das Wetter zeigt sich von seiner rauen Seite – tiefhängende Wolken und Schneefall. Dennoch können wir anlanden und so geht es um kurz nach 7 Uhr auch schon los, mit der ersten Gruppe der Schneeschuhwanderer. Dann folgen die einzelnen Farbgruppen. Hier auf Half Moon Island landen wir zunächst unterhalb einer Zügelpinguinkolonie an. Die meisten starten von dort aus zu einer kleinen Wanderung, die zunächst über Geröll und Schneeflächen auf einen Strandwall führt. Weiter geht es vorbei an alten Walknochen bis zu einem leichten Anstieg auf eine Anhöhe. Aber was ist das? Fast hätten wir sie nur für graue Steine gehalten – nein, es sind Weddellrobben, die hier oberhalb des Strandes liegen. Die letzte Etappe führt zur zweiten Landestelle, unterhalb der argentinischen Station Camara. Die perfekte halbrunde Uferlinie macht dem Namen der Insel alle Ehre.

Weiter geht die Fahrt in südwestliche Richtung durch die Bransfield Strait in Richtung Deception Island. Um 11:30 Uhr findet passend zum Ziel des Nachmittags der Vortrag „Die Geologie der Antarktis“ von Gerit Birnbaum statt. Danach ist unser Expeditionsleiter bereit für die Vorschau auf die Anlandung am Nachmittag und er gibt auch einen Ausblick auf den morgigen Expeditionstag, an dem wir unsere südlichste Position erreichen werden. „Deception“ bedeutet „Täuschung“, und die Insel hat ihren Namen erhalten, weil sich im Inneren ein Kratersee befindet, der nur eine schmale Verbindung zum Meer hat (Neptunes Bellows – „Neptuns Blasebalg“). Insgesamt handelt es sich bei Deception Island um den Rest eines riesigen Vulkans, der durch die Last seines Gewichtes eingebrochen ist und einen großen Einsturzkrater (Caldera) hinterlassen hat.

Gegen 14:30 Uhr fahren wir durch die enge Passage von Neptunes Bellows und biegen nach Steuerbord ab in die Whalers Bay. Von der Anlandestelle können wir in zwei Richtungen laufen. Entweder in Richtung Neptunes Window am Strand entlang, oder aber gleich an den Überresten der Walfangzeit (1910/1911 bis 1931) vorbei zum 1961/1962 erbauten Flugzeughangar. Dabei treffen wir vereinzelt auf Zügel- und Eselspinguine. Hinter dem Hangar erklimmen einige von uns einen Rücken, von dem man eine gute Sicht auf Whalers Bay hat. Wir erkennen auch, was von der 1944 im Rahmen der geheimen „Operation Tabarin“ erbauten, später erweiterten und 1969 bei einem großen Vulkanausbruch ramponierten Station des British Antarctic Survey noch vorhanden ist, vor allem „Biscoe House“.

Die Stimmung ist fast mystisch in dieser schwarz-weißen Landschaft. Schneefall wechselt mit Momenten, in denen es etwas aufklart. Mutige Gäste wagen den Sprung ins kalte Wasser, welches in Strandnähe jedoch mit Wasser aus der Tiefe vermischt wird, so dass die Temperatur deutlich über 0°C liegt.

Diejenigen, die in Richtung Neptuns Window unterwegs waren kommen voller Begeisterung zurück, denn dort konnte ein Seeleopard am Strand beobachtet werden. Gegen 19:00 Uhr ist auch diese Anlandung Geschichte.

Wir verlassen Deception Island jedoch nicht sofort wieder durch Neptuns Bellows, sondern unternehmen noch eine Rundfahrt durch die Caldera Port Foster. Kurz nach der Ausfahrt krönen zwei springende Buckelwale den Tag.

Tag 13 - Cuverville Island / Errera Kanal / Paradise Bay

Über Nacht fährt HANSEATIC nature in Richtung Gerlache Strait. Von dort ist es nur ein kurzer Weg bis zum Nordeingang des Errera Kanals, wo unser Ziel für den heutigen Vormittag, Cuverville Island, liegt. Gegen 06:30 Uhr erreichen wir die kleine Insel. Es ist nahezu windstill und sonnig – Traumwetter und Traumsicht!

Schon die Fahrt vom Schiff zum Strand ist ein „Erlebnis“. Es geht kreuz und quer zwischen Eisbergen hindurch, aber der Geruch ist ziemlich streng. An Land können wir in beiden Richtungen am Strand entlang die Eselspinguinkolonie besuchen oder einen steilen Anstieg wagen. Pinguine vor Eisbergen in einer sonnenüberfluteten Kulisse aus schroffen Bergen und imposanten Gletschern – was will man mehr! Wir haben genug Zeit, um die Tierwelt zu beobachten – die Paarung und den Nestbau der Pinguine, aber auch Skuas paaren sich und klauen den Pinguinen Eier.

Zurück zum Schiff nehmen wir nicht den direkten Weg, sondern fahren nochmals durch den Eisbergfriedhof vor Cuverville Island. Über Mittag setzt HANSEATIC nature ihre Reise durch den spektakulären, engen Errera Kanal fort. Als wir die Paradise Bay erreichen ist eine Wolkendecke aufgezogen, aber dies ist heute Nachmittag eher von Vorteil.

Um 14 Uhr starten wir zur letzten Zodiac-Cruise dieser Reise - in die Skontorp Cove, eine kleinere Bucht unmittelbar südlich der argentinischen Station Base Brown. So haben wir uns die Antarktis vorgestellt. Gletscher, die direkt ins Meer kalben und Eis in der Bucht in den verschiedensten Formen und Farben. Im innersten Bereich der Bucht muss der Gletscher teilweise gekalbt haben. Deutlich sehen wir die blau erscheinenden Abbruchflächen, die noch nicht wieder verwittert sind. Besonders sehr altes Eis mit wenigen Luftblasen erscheint uns blau. Grandios erhebt sich die Gletscherfront, die von tiefblau erscheinenden Rissen durchzogen ist. Wenn Licht in diese Risse eindringt, wird es viele Male zwischen den Eiswänden hin und her reflektiert. Dabei wird der rote Anteil des Lichtes absorbiert und ist für uns nicht mehr sichtbar. Dann geht es zurück zu HANSEATIC nature – auf ein Glas Sekt an der Marina des Schiffes. Danach verlassen wir Paradise Harbour und fahren durch den Ferguson Channel zurück in die Gerlache Strait.

Um 18:30 Uhr ist es Zeit für ein weiteres Recap. Anschließend erläutert Torsten Prietz das Programm für den morgigen Tag. Dumpfe Schläge gegen die Bordwand und ein Kratzen am Schiff lassen uns zeitgleich das erste Mal Meereis spüren. Noch durchfahren wir nur relativ schmale Bänder aus Meereisschollen und Bruchstücken von Gletschern und Eisbergen. Im Laufe des Abends werden die Schollen immer dichter, d.h., der Flächenbedeckungsgrad des Eises nimmt zu. Es handelt sich um einjähriges, jedoch hochgradig deformiertes Eis. Uns fällt die Braunfärbung des Eises auf. Dies ist jedoch kein Schmutz im Meereis, sondern ist ein Hinweis auf Eisalgen.

Gegen 21:30 Uhr meldet sich schließlich der Kapitän von der Brücke. Wir sind immer noch 6 sm vom Lemaire Kanal entfernt, welchen wir heute nicht mehr erreichen werden. Wir werden nun den Kurs ändern und in Richtung Norden zurückfahren, Richtung Neumayer Kanal. Somit lag unsere südlichste Position bei 64° 58’S. Auch auf dem Rückweg kommen wir nur mit durchschnittlich 5 Knoten voran. Das Meereis begleitet uns bis wir den Südeingang des Kanals erreicht haben, in dem wir uns über Nacht treiben lassen werden.

So endet er also, der Pinguin-Krawatten-Tag. Schick sahen sie aus, unsere Nautiker. Aber nur die erfahrensten unter ihnen wissen, dass erst die Kombination aus Krawatte und entsprechender Socke den perfekten Pinguin-Tag an Bord ausmacht!

Tag 14 - Port Lockroy / Neumayer Kanal / Neko Harbour

Am Morgen unseres letzten Expeditionstages steuern wir zunächst Port Lockroy / Goudier Island an. Den 800 m langen Naturhafen an der Westseite von Wiencke Island hat der französische Polarforscher Jean-Baptiste Charcot (1867-1936) entdeckt und nach dem Politiker Edouard Lockroy, dem Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses, der die Expedition gefördert hatte, benannt.

Die britische Station „Base A“ war bis 1962 besetzt. Nachdem sie dann über 30 Jahre lang ungenutzt geblieben war, hat man das Haupthaus („Bransfield House“) 1996/97 restauriert und in ein Museum umgewandelt. Die historische Hütte wird seither in den Sommermonaten mit Mitarbeitern des Antarctic Heritage Trust besetzt und für Touristen geöffnet. Um das Bransfield House herum brüten Eselspinguine. Auch wir besuchen das kleine Museum und schauen uns vor allem im Shop um, Postkarten kommen in den roten Briefkasten am Eingang!

Über die Mittagszeit durchfahren wir den Neumayer Kanal, steuern dann aber nicht wie geplant Orne Harbour an, sondern Neko Harbour in der Andvord Bay.

Auch bei dieser letzten Anlandung läuft alles wie am Schnürchen. Geordnet erscheinen wir am Sidegate, während Torsten und Gloria an der Landstation überlegen, wieviel Zeit sie uns an Land geben können – eine gute Stunde, also 66 Minuten! Es wird ein traumhafter Abschluss! Ob bei der Eselspinguinkolonie oder auf einer Anhöhe mit Blick auf die Gletscherwelt rund um die Andvord Bay – jeder kommt nochmals auf seine Kosten!

Detailkarte Antarktis "Downtown"
Detailkarte Antarktis "Downtown"

Tag 15 - Auf See / Kurs Ushuaia

Dieser erste Morgen in der Drake Passage zeigt sich durchaus freundlich – die See ist relativ ruhig, allerdings herrscht wieder eingeschränkte Sicht durch Nebel. Punkt 09:00 Uhr haben wir schon 200 sm auf unserem Weg nach Ushuaia zurückgelegt, 475 sm verbleiben noch. Damit befinden wir uns noch südlich des 60. Breitengrades, haben die Antarktis also noch nicht verlassen. Grund genug, auch heute noch einmal dem vielfältigen Bordprogramm zu folgen – notwendige Vorbereitungen für die Rückreise natürlich eingeschlossen.

Um 10:00 Uhr heißt es bei Wolfgang Wenzel im HanseAtrium „Apotheke Meer“. Wir erfahren wie Wirkstoffe aus dem Meer medizinisch genutzt werden. Z.B. wird schon seit den 1950er Jahren aus Schwämmen Bromuracil gewonnen, welches gegen Viren eingesetzt wird. Vom Meer noch einmal zurück ins Eis - um 11:30 Uhr berichtet Gerit Birnbaum von der deutschen Forschungsstation Neumayer, auf der seit 1980 jedes Jahr ein Team von 9 Personen überwintert. Während die beiden Vorgänger-Stationen noch in den Schnee und Firn eingelassene Röhrenkonstruktionen waren, hat man nun den gesamten Wohn- und Arbeitskomplex auf hydraulische Stützen gestellt, die ausgefahren, mit Schnee unterfüttert und dann wieder eingezogen werden können. So gleicht man den jährlichen Schneezutrag aus. Am Nachmittag nutzen noch einmal viele die Gelegenheit, in der Ocean Academy vorbei zu schauen. Das Tier-Sammelsurium von Sylvia Stevens ist eng umringt und Wolfgang Wenzel hat Krill zum Mikroskopieren mitgebracht. Die meisten möchten jedoch die Route unserer Reise in die mitgebrachte Karte einzeichnen lassen. Der Andrang ist so groß, dass Torsten Prietz und Florian Kudoke dafür ins HanseAtrium umziehen – Bar und Klavier eignen sich bestens für die doch recht großen Karten.

Um 16:30 Uhr präsentiert unser Bordfotograf Marcel Nöcker die Foto CD der Reise. Der Bilderreigen lässt viele Erinnerungen an die Tage an Bord noch einmal lebendig werden. Um 18:15 Uhr steht dann ein letztes Mal „Wissen vor Sieben“ auf dem Programm – „Der Rückblick!“

Vom Farewell-Abendessen geht es zum Farewell-Cocktail. Unser Kapitän bringt es auf den Punkt – es war eine runde Expeditionsseereise. Wir haben insgesamt 3300 sm zurückgelegt und dabei sogar 2 Mal den antarktischen Kontinent, das Festland, betreten. 13 Mal sind wir in die Zodiacs gestiegen, 11 Mal für eine Anlandung und 2 Mal für eine Zodiac-Cruise. Herzlichen Dank an die insgesamt 25 Zodiac-Fahrer – wir haben uns immer sicher gefühlt! Auch wir haben einen tollen Job gemacht. Nicht ganz uneigennützig haben wir unsere Reise wettertechnisch zu einer sehr windarmen Reise gemacht, maximale Windstärke 7 Bft. Der Abend gipfelt im Auftritt des HANSEATIC nature Shanty Chors mit Verlosung und anschließender Versteigerung der Souvenir-Seekarte. Aber auch wir möchten DANKE sagen, an die gesamte Besatzung, und haben eine kleine Überraschung vorbereitet – ein Medley des HANSEATIC nature Gäste Chores. - Es war ein kleiner Marathon aus Rückschauen und Abschieden an diesem vorletzten Abend. However, we are still sailing ...

Tag 16 - Auf See / Kurs Ushuaia

Noch dieser durchaus freundlich beginnende Tag auf See, dann ist es geschafft! Feuerland rückt stetig näher! Um 9 Uhr, zur letzten regelmäßigen Durchsage unseres Kapitäns, sind wir noch 156 sm von Ushuaia entfernt. Den argentinischen Lotsen wollen wir im Beagle Kanal gegen 16:00 Uhr an Bord nehmen, und gegen 20:00 Uhr wollen wir an die Pier gehen.

Die Drake Passage zeigt sich heute etwas aufgewühlter, die Wellenhöhe beträgt 2,5 m. So warten wir mit dem Packen der Koffer bis in die Nachmittagsstunden. Um 10:00 Uhr erfahren wir von Martin Gottschling noch interessante Details zu ökologischen Zusammenhängen im Südwesten Südamerikas. Gleich im Anschluss, um 11:30 Uhr präsentiert uns Sven Vöge „Amundsen.“

Für den Nachmittag steht nicht mehr viel auf dem Tagesprogramm. Wer nun doch schon gepackt hat, genießt die Fahrt durch den Beagle Kanal an Deck oder gemütlich mit Aussicht in der Observation Lounge zur letzten Tee- und Kaffeestunde.

Um 16:00 Uhr zeigt unser Videograph Niklas Faralisch den Film der Reise und um 17:45 Uhr verabschiedet sich unser Expeditionsteam mit einem Recap der besonderen Art ...

Da wir uns Ushuaia unaufhaltsam nähern, wird es Zeit das Endergebnis von „Walk the cruise“ anzuschauen. 75 Kabinen haben teilgenommen und wir haben immerhin 34,2% unserer Gesamtstrecke auf Deck 9 zurückgelegt, in Zahlen: 2143 km auf 15873 Runden verteilt! Glückwunsch!

Tag 17 - Ushuaia Ausschiffung

Nun gibt es kein Zurück mehr. Unsere Expeditionsreise in die Antarktis geht zu Ende. Für die Tage an Bord gilt nochmals unser ganz besonderer Dank der gesamten Besatzung von HANSEATIC nature, die viele wundervolle Erlebnisse erst möglich gemacht hat!

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Vlog Antarktis Kreuzfahrt mit HANSEATIC nature

Unser Kapitän: Thilo Natke

Wasser ist sein Element, wobei er seit 1979 bereits alle Weltmeere befahren hat. Allein am südlichen Ende der Welt, der Antarktis, war er über 90 Mal. Doch auch auf dem Amazonas, in der Südsee und in der Arktis mit der legendären Nordwestpassage ist er zu Hause. Auf der HANSEATIC war er fast 20 Jahre Stammkapitän. Im Sommer 2014 hat er sein Schiff als erstes westliches Kreuzfahrtschiff erfolgreich durch die Nordostpassage gebracht. Nachdem er bereits an der Planung des Neubaus beteiligt war, hat er die HANSEATIC nature im Mai 2019 in Norwegen übernommen und für Hapag-Lloyd Cruises in Dienst gestellt. In seiner Freizeit hat der gebürtige Niedersachse durchaus gerne festen Boden unter den Füßen – am liebsten in Wanderschuhen.

 

Beobachtete Vogelarten auf der Reise

PINGUINE

Königspinguin, Eselspinguin, Zügelpinguin, Adéliepinguin, Goldschopfpinguin, Magellanpinguin

 

ALBATROSSE

Wanderalbatros, Südlicher Königsalbatros, Graukopfalbatros, Schwarzbrauenalbatros, Rußalbatros

 

... und viele weitere STURMVÖGEL & STURMTAUCHER, STURMSCHWALBEN, KORMORANE, FALKEN usw.

Beobachtete Säugetiere auf der Reise

Robben

Antarktis-Seebär („Pelzrobbe“), Mähnenrobbe, Südlicher See-Elefant, Krabbenfresser, Weddellrobbe, Seeleopard

 

Wale

Buckelwal, Antarktis-Zwergwal, Finn-/Seiwal, Commerson-Delfin, Orca

Experten an Bord dieser Reise

  • Expeditionsdirektorin: Nadine Armbrust 
  • Expeditionsleiter: Torsten Prietz
  • Expertin Biologie: Sylvia Stevens
  • Experte Biologie: Dr. Wolfgang Wenzel
  • Experte Geschichte:  Sven Vöge
  • Expertin Klimasystem: Dr. Gerit Birnbaum
  • Experte Biologie/Field: Martin Gottschling